Albert-Schweitzer-Schule / Gießen

Die Chronik der Albert-Schweitzer-Schule

 

Albert Schweitzer-Schule - Von der Gründung bis heute 

Bildung für alle- Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung

Die Sorge um eine gute Förderung von Schülerinnen und Schülern rückte nach 1945 in der Zeit des Wiederaufbaus der Stadt Gießen wieder in den Mittelpunkt bildungspolitischer Entscheidungen.

Für das Jahr 1946 wurde die Zahl von 194 Schülerinnen und Schülern in der Chronik der Schule erwähnt, die als Hilfsschüler in die Goetheschule von Gießen aufgenommen wurden. Schon zu dieser Zeit herrschte Raumnot an der Goetheschule.

1953 wird berichtet, dass fünf Baracken eingerichtet waren für sechs Klassen der Hilfsschule. Die Ausstattung entsprach den damaligen Verhältnissen: das Gebäude der Goetheschule war zwar im Krieg unbeschädigt geblieben, die Baracken waren jedoch nur schwer beheizbar, die Räume zu klein für die wachsende Schülerzahl.

 

Hilfsschule- erste Sonderschule in Gießen

Mit der Verselbständigung dieser Hilfsschulklassen war der Zeitpunkt für den Beginn der Schulgeschichte gekommen. 1953 erfolgte die Gründung der Hilfsschule in Gießen mit fünf Klassen auf dem Gelände der Goetheschule und am 1.12.1954 erhielt die Hilfsschule ihren ersten Schulleiter. Die Schule zählte 166 Schüler mit Förderschwerpunkt Lernen. Diese Schule war die erste Förderschule, damals Sonderschule, in Gießen. Es war die Zeit des Wiederaufbaus eines Schulwesens, das die qualifizierende Förderung aller Schülerinnen und Schüler gewährleisten und den Anschluss an das Berufsleben vorbereiten sollte.

 

Steigende Schülerzahlen- Neubau wird geplant

Bei ansteigenden Schülerzahlen konnte die bisherige Unterbringung auf dem Gelände der Goethe-Schule auf Dauer keine gute Lösung sein.

Die Frage des Neubaus einer Hilfsschule löste in der Stadtverordnetenversammlung eine kontroverse Debatte aus:

Ein Teil der Diskussionsteilnehmer hielt eine Isolierung der Schülerinnen und Schüler damals schon für nicht förderlich, andere sprachen sich für eine Förderung in einer eigenen Hilfsschule aus. Schülerinnen und Schüler in einer besonderen Schule von besonderen Lehrkräften nach besonderen Methoden zu unterrichten entsprach dem Zeitgeist und so setzten sich auch in Gießen die Vertreter der Einrichtung einer Sonderschule mit nur zwei Gegenstimmen in der Stadtverordnetenversammlung durch.

 

Ethische Grundwerte prägen die Schule -

Albert Schweitzer wird Namensgeber der Schule

Mit der Diskussion um dem Neubau entwickelte sich auch das Selbstverständnis der Schule: die Rückbesinnung auf ethische und soziale Werte drückte sich im Prozess der Namensgebung aus.

Das Wirken von Albert Schweitzer beeindruckte die Gründer der Schule. Es gab in der Zeit von 1956 bis 1961 einen direkten Schriftverkehr zwischen der Schule und Albert Schweitzer, der als Namensgeber der Schule ausgewählt wurde und dies mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung seit 1958 ist. Der Schriftverkehr ist in der Schule und im Museum der Stadt Gießen dokumentiert. Er gibt heute noch Auskunft über das weitreichende geistige Vermächtnis von Albert Schweitzer, sein Denken über Zeit- und Raumgrenzen hinweg. In den Briefen wird deutlich, dass er auch in Bezug auf die Schule in Gießen bestrebt war, unmittelbar tätig zu sein und eine Beziehung mit seinen Mitmenschen zu halten, so auch mit den Schülerinnen und Schülern der Albert-Schweitzer-Schule, die er persönlich nicht kennen konnte.

 

Albert Schweitzer-Schule erweitert ihre Zuständigkeit

In den Jahren 1962 und 1963 wurden an der Albert-Schweitzer-Schule zusätzlich Klassen für Schülerinnen und Schüler mit körperlichen und geistigen Behinderungen eingerichtet.

1964 stimmte die Stadtverordnetenversammlung auch der Gründung von zwei Vorklassen an der Albert-Schweitzer-Schule zu.

Der Neubau der Schule inmitten der Stadt Gießen hielt dem Schülerzahlenanstieg jedoch schon bald nicht mehr stand. Bei 273 Schülern wurden zwölf Klassen gebildet, die unter räumlich sehr engen Bedingungen im Schichtbetrieb unterrichtet wurden.

Eine Auslagerung von Klassen in das ehemalige Gebäude der beruflichen Schule, Georg Schlosser Str. 16 in Gießen (ehemals Aliceschule), wurde notwendig.

1969 erfolgte erstmals die Einrichtung einer Klasse für Körperbehinderte, die in den Räumen der ehemaligen beruflichen Schule untergebracht war. Seit 1973 konnte eine eigenständige Abteilung der Albert-Schweitzer-Schule als Schule für Körperbehinderte eingerichtet werden.

Im Zuge des Ausbaus des Sonderschulwesens in Hessen wurden zunehmend auch Schulen für Menschen mit geistiger Behinderung aufgebaut. Die Abteilung der Schule für Praktisch Bildbare an der Albert-Schweitzer-Schule in Gießen wurde als eine eigenständige Schulform in Gießen als Schule des Landkreises eingerichtet und heißt heute Martin-Buber-Schule.

 

Raumnot an der Albert-Schweitzer-Schule ab den Jahren 1970

Organisatorische Veränderungen erfuhr die Schule mit dem Schuljahr 1976/77 durch die Einführung der Fünf-Tage-Woche.

Die Schule war nun an drei Standorten in Gießen untergebracht: Oswaldsgarten, Georg-Schlosser-Str. und Heegstrauchweg. Es wurde verstärkt nach Lösungen für die Raumnot der Schule gesucht und man einigte sich auf einen Neubau in der Grünberger Straße.

Dieses Gebäude wurde 1979 eingeweiht und war zur damaligen Zeit eine der modernsten Schulen in Gießen: ein großzügiger Eingangsbereich, 25 Klassenräume, elf Fachräume, Differenzierungs- und Therapieräume, sechs Verwaltungsräume, Aufenthaltsräume für Feste, Feiern und Mittagsbetreuung.

Der Bau der Turnhalle konnte 1982 verwirklicht werden.

 

Schulfeiern zeigen Unterrichtsqualität

Die Klassen und Flure wurden liebevoll von Kolleginnen und Kollegen gestaltet. Die Programme der Schulfeiern zeigten ein beachtlich hohes Niveau. Kunst, Musik und Theater entwickelten sich neben der Berufsorientierung zu inhaltlichen Schwerpunkten der Schule seit den 90ger Jahren. Das Schulprogramm aus dem Jahre 2001 beschreibt diese Schwerpunkte. Über viele beeindruckende Schulfeiern berichtet auch die Chronik in den Jahren 2000 folgend. Die Schule wird als einzige Förderschule in Hessen anerkannt als 'Schule mit besonderer musikalischer Förderung'. Sie pflegt bis heute eine beständige Kooperation mit der Musikschule Gießen e.V.

2008 wurde an der Schule eine Bläserklasse eingerichtet. Die Schule erhält dafür jährliche Zuwendungen vom Amt für Lehrerbildung.

 

Beratungs- und Förderzentrum

2003 wird die Albert-Schweitzer-Schule das Beratungs- und Förderzentrum.

Sie übernimmt die Beratung und Unterstützung allgemeiner Schulen in Fragen der Prävention, Integration und Rehabilitation an vielen Schulen in der Stadt und als Schule für Körperbehinderte in der Region Gießen und des Vogelsbergkreises. Viele Kolleginnen und Kollegen werden für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern beratend tätig an allgemeinen Schulen. Sie leisten auf Grundlage der Förderpläne in Einzelfällen und in Kleingruppen intensive Unterstützung durch gezielte Förderung. Die Schule schließt Kooperationsverträge mit 18 allgemeinen Schulen (Grundschulen, Sekundarstufenschulen, beruflichen Schulen).

Im Zeichen der Inklusion, der Änderung des Hessischen Schulgesetzes und der Verordnung zur sonderpädagogischen Förderung änderten sich 2011 generell die Zuständigkeiten der Beratungs- und Förderzentren in Hessen. In der Region Gießen wird nun jede allgemeine Schule von nur einem Beratungs- und Förderzentrum beraten und unterstützt. Regionale Beratungs- und Förderzentren übernehmen somit die Aufgabe der Regulierung individueller Förderbedarfe an fest zugewiesenen Schulen für die Bereiche Lernen, Sprache und Verhalten. Die Beratung im Förderschwerpunkt körperlicher und motorischer Entwicklung wird soweit wie möglich von den regionalen Beratungs- und Förderzentren übernommen, darüber hinaus gehende Bedarfe durch die überregionalen Förderzentren.

Damit änderte sich strukturell auch das Aufgabengebiet der Albert-Schweitzer-Schule: Förderschullehrkräfte wirken in breiterem Stundenumfang beratend und unterstützend an allgemeinen Schulen im Rahmen der Prävention.

 

Heute: Hauptschulabschluss an der Albert-Schweitzer-Schule

Die Albert-Schweitzer-Schule schloss 2010 einen Kooperationsvertrag mit der Friedrich-Ebert-Schule in Gießen-Wieseck und bereitet seit dem Schuljahr 2010/11 intensiv in kleinen Gruppen auf den Erwerb des Hauptschulabschlusses vor. Von den sechs gemeldeten Schülern erreichen schon nach einem Jahr fünf Schüler der Albert-Schweitzer-Schule den Hauptschulabschluss.

 

Heute: pädagogische Mittagsbetreuung

Die Schule entwickelte seit 2006 ein Programm zur pädagogischen Mittagsbetreuung. Als erste Schülergruppe erhielten Schülerinnen und Schüler der Schule für Körperbehinderte an einem Tag in der Woche Nachmittagsunterricht und Betreuungsangebote. In den nächsten Schuljahren konnten auch Schülerinnen und Schüler mit Förderschwerpunkt Lernen ab der Mittelstufe jeweils an einem Tag in der Woche ein pädagogisches Angebot nutzen.

Die inhaltlichen Angebote erstreckten sich im Schwerpunkt auf musische, arbeitstechnische und sportliche Bereiche. Sie ergänzten das Unterrichtsangebot am Vormittag.

Von 2006 bis 2010 wurde das warme Mittagessen von der Karl-Kübel-Stiftung unterstützt. Das Mittagessen konnte zum sozialen Preis angeboten werden. Noch heute gibt es dank einer Spende der Firma „Förstina“ Wasser für alle Schülerinnen und Schüler zum sozialen Preis.

Seit dem Schuljahr 2011/12 ist die Schule vom Hessischen Kultusministerium anerkannt als Schule mit einem Betreuungsangebot am Nachmittag. Betreuungsangebote und Unterricht finden an drei Tagen in der Woche für Schülerinnen und Schüler ab der Mittelstufe statt. Im Anschluss an ein warmes Mittagessen erfolgt das inhaltliche Angebot. Es beginnt mit der regelmäßigen Hausaufgabenbetreuung und wird fortgeführt mit dem Unterrichts- und Betreuungsangebot in den Bereichen Arbeitslehre, Sport, Umgang mit neuen Medien, mathematisches und forschendes Denken, Basteln, Lesen, Kunst und Musik.

Die Angebote für die Hauptstufe und die Schülerinnen und Schüler mit Körperbehinderungen bestehen weiterhin an einem Tag in der Woche.

 

Heute: ansprechendes Angebot auf dem Pausenhof

Seit der Zeit seiner Einweihung wurde das Schulgebäude immer wieder den veränderten Erfordernissen angepasst. Mit viel Hilfe aus dem Kollegium und von Eltern konnte auch der Schulhof in den Jahren 2000 bis 2003 gestaltet werden. Im Rahmen eines Unterrichtsprojektes wurde der Teich angelegt. Eine landwirtschaftliche Nutzungsfläche ergänzt heute das Schulgelände. In diesem Areal werden  lebenspraktische Projekte im Fach Arbeitslehre durchgeführt, u.a. Anbau und Tierpflege.

Das Spielangebot auf dem Schulhof wurde seit 2006 systematisch ergänzt und erneuert: Reckstangen, Fußballtore, Basketballplatz, Netzschaukel, Klettergerüst, Tischtennisplatten.

Heute bietet der Schulhof durch seine Größe und seine Bepflanzung ein attraktives Spiel- und Bewegungsangebot für alle Altersgruppen.

Kolleginnen und Kollegen richteten eine Spielausleihe in den Pausen ein: das Spielehäuschen enthält kleine Bewegungsspiele, die zum Teil für die Schule gespendet wurden (Stadt Gießen, Sparkasse Gießen etc.).

 

Heute: wieder eine moderne Raumausstattung

An der Optimierung des Raumangebotes wurde ständig gearbeitet. Mobiliar und Funktionsräume wurden seit 2006 den aktuellen Erfordernissen angepasst.

Das Mobiliar für Schüler und Personal konnte sukzessive komplett ausgetauscht werden. Der Raum für die Einnahme des Mittagessens wurde neu gestaltet und ausgestattet.

Die Schule verfügt heute über eine neu eingerichtete Schülerbibliothek, einen Musikraum mit Schwarzlichtanlage, eine Lehrküche auf modernem Niveau, zwei Räume für Lehr- und Lernmittel, einem Raum für Schülergespräche, Physiotherapie und Seminararbeit.

Toiletten wurden zum Teil renoviert.

Unser neues Schülerkaffee:

Schülerkaffee

 

Heute: Weiterentwicklung des Schulprogramms

Das Kollegium arbeitet seit 2007 systematisch an der Weiterentwicklung des Schulprogramms, in Teilen konnte es beschlossen werden:

Organigramm: ein Organigramm verdeutlicht die Arbeitsbereiche und Zuständigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihrer Funktionen.

Fachbereiche: es entstanden Fachbereiche zu den Fächern Deutsch, Mathematik, Arbeitslehre, Kunst, Musik, Wahrnehmung und Sport.

In den Fachbereichssitzungen wurde das Schulcurriculum aktualisiert, mit den Lehrplänen abgeglichen und in eine Form gebracht, die eine schnelle Orientierung verschafft und den Zugriff in Bezug auf zu vermittelnde Inhalte und die entsprechenden Materialien stufenbezogen ermöglicht.

Soziales Lernen:  soziales Lernen war Gegenstand vieler Diskussionen und Sitzungen einer Arbeitsgruppe, Konferenzen und Fortbildungen. Die Arbeitsgruppe erarbeitete einen Entwurf als Vorüberlegung, der Grundlage für weitere Konferenzen sein soll. Interventionspläne, Regeln und die Schulordnung wurden bereits als Teil des Schulprogramms beschlossen.

Die Schule führt mit Beginn des Schuljahres 2011/12 den Schulplaner als Arbeitsmittel für jede Schülerin und jeden Schüler ein.

Arbeitsweisen: kooperative Arbeitsweisen und Austausch im Kollegium wurden erheblich erleichtert durch eine gut organisierte Lehrerhandbücherei, die in den Jahren 2010 und 2011 in zwei Räumen neu eingerichtet wurde.

Fortbildungsplan: der Fortbildungsplan der Schule wird jährlich weiterentwickelt (u.a. Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität, Methodenkompetenz, Erziehungshilfe, Musik, Kunst, Naturwissenschaft, Lehrergesundheit und Konfliktmanagement).